Vortrag „Was ihr schon immer über Strahlen wissen wolltet….“

Am Dienstag, 14. April waren wir eingeladen, uns den Vortrag „Was ihr schon immer über Strahlen wissen wolltet….“ von Radiologin Dr. Barbara Fink beim Lions-Club Villingen-Schwenningen Mitte anzuhören. Nach einer Stärkung im Romantikhotel Rindenmühle begaben wir uns in den Tagungsraum, in welchem der Vortrag stattfand.

Zum Einstieg in dieses doch sehr wissenschaftliche Thema stellte uns Frau Dr. Fink die verschiedenen Strahlen und Strahlenquellen vor, mit denen wir fast täglich in Berührung kommen. Hierzu zählt z.B. die Sonnenstrahlung, Röntgenstrahlung, Mikrowellen, Radioaktivität, Hochspannung, Strahlungen aus dem Mobilfunkbereich und Radonquellen in den Gesteinsschichten.

Darauf folgte ein Überblick über die Geschichte der Röntgenstrahlen. Entdeckt wurden sie von W.C. Röntgen. Kurz darauf entdeckte Antoine Becquerel die natürliche Radioaktivität. Die Gefahren der Strahlung waren damals noch nicht bekannt. Es entstand ein neuer „Party-Hype“. Auf Partys wurden Röntgenbilder der Gesellschaft angefertigt und diese konnten als Erinnerungen mitgenommen werden. In vielen Schuhgeschäften gab  es ein so genanntes Pedoskop. Hier konnte durch Schuhe geröntgt werden und so erkannt werden, ob die Schuhe richtig sitzen. Dies war insbesondere bei Kinderschuhen sehr hilfreich. Auch mit Radioaktivität wurde stark geworben. In vielen Produkten fanden sich radioaktive Substanzen als Wunderheilmittel. Einige Beispiele hierfür sind Zahnpasta, Potenz-Zäpfchen, Kondome, Kosmetika, Haartinkturen und Schokolade. Für Kinder gab es auch Experimentierkästen mit Radioaktivität. Hier wurden sowohl Beta- und Gamma-Strahler mitgeliefert, als auch die besonders gefährlichen Alpha-Strahler.

Doch was genau ist eigentlich Strahlung? Strahlung bezeichnet die räumliche Ausbreitung von Energie. Der Energietransport kann dabei auf zwei Arten erfolgen: Über Teilchenstrahlung und über Wellenstrahlung. Bei Teilchenstrahlung bewegen sich, wie der Name schon sagt, Teilchen. Hierbei handelt es sich um Elektronen, Neutronen und Protonen. Es handelt sich also um die Bewegung von Masse. Bei der Wellenstrahlung handelt es sich dagegen um elektromagnetische Strahlungen oder um Photonen. Hierzu gehören zum Beispiel die Röntgenstrahlung oder auch das Licht.

Die Strahlung kann man allerdings auch noch in zwei weitere Strahlungsarten unterteilen: in die ionisierende Strahlung und die nicht ionisierende Strahlung. Zu dieser zählen Mikrowellen, UV-Strahlung und Radiowellen. Ionisierende Strahlung dagegen kann Materie beeinflussen. Ab einer Energie von 5 keV kann elektromagnetische Strahlung Materie ionisieren. Das bedeutet,  es entsteht ein Ion, indem das Atom mit Photonen beschossen wird und so ein Elektron aus dem Atom entfernt. Zu dieser Art von Strahlung zählt z.B. die Röntgenstrahlung .

Um das Problem der Strahlung am menschlichen Körper zu erklären, brachte uns Fr. Dr. Fink nochmals den Aufbau einer menschlichen Zelle näher. Entscheidend sind hierbei insbesondere  die Zellmembran, das Zellplasma und der Zellkern. Zerstört die Strahlung die Membran oder das Plasma, stirbt die Zelle. Diese Schäden sind akut und nicht maligne, also nicht krebserregend. Die Zelle stirbt ab und es entstehen Gewebeschäden. Ein Beispiel hierfür ist der Sonnenbrand.

Dringt ionisierende Strahlung aber zum Zellkern, werden u.U. Chromosomen und somit die Gene verändert. Es entstehen Schäden an der DNA. Die Zelle verändert ihre Eigenschaften, es können Tumore entstehen. Aus einer Studie im Nachgang zu den Atombomen-Abwürfen von Hiroshima und Nagasaki geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken um 5% pro Sievert steigt. Da solch hohe Strahlungsdosen  in der diagnostischen Radiologie nicht  auftreten wird hier beim Strahlenschutz mit 0,005% pro Millisievert gerechnet.

In der Medizin bedeutet das, dass das in der Öffentlichkeit diskutierte Risiko, an Krebs zu erkranken,  eine rein statistisch errechnete Größe für das gesamte Kollektiv darstellt, nicht aber auf die Situation des Einzelnen übertragen  werden kann.

Auch bei der Anwendung von Strahlen  muss jedoch immer sichergestellt sein, dass der mögliche Schaden durch eine Untersuchung oder  Behandlung deutlich geringer sein muss,  als der zu erwartende Nutzen.

Fr. Dr. Fink stellte uns weitere Themen als die Strahlung in der Medizin vor. Unter anderem kam sie auf das Fliegen. Das Risiko beim Fliegen ist abhängig von Flughöhe, Flugdauer, Flugroute und Sonnenaktivität. Generell liegt die Strahlendosis aber nur bei wenigen µSievert. Das bedeutet,  das Strahlenrisiko ist beim Fliegen für Passagiere so  gering,, dass es praktisch vernachlässigt werden kann. Das fliegende Personal allerdings, gehört zu dem beruflich strahlenexponierten Personenkreis, da sich insbesondere bei zahlreichen regelmäßigen Langstreckenflügen in der Summe höhere Dosen ergeben können. Gegebenenfalls muss dann auf andere Routen ausgewichen werden und der Dienstplan entsprechend angepasst werden.

Auch bei der Gepäckkontrolle liegen die Umgebungsdosen  beim Röntgen des Gepäcks für das Flughafenpersonal und die Passagiere bei unter 1µSv pro Stunde. Bei der Körperkontrolle werden keine ionisierenden Strahlungen verwendet.

Auch von der Sonne geht Strahlung aus. Insbesondere die UV-C Strahlung birgt Gefahren für den Körper.

Auch beim Telefonieren werden Strahlen freigesetzt. Hierbei handelt es sich um elektromagnetische Wellenstrahlung. Diese liegt aber unter den  5 keV, die zur Ionisation notwendig wären. Die Strahlungsenergie  wird in Form von Wärme absorbiert. Das Warmwerden des Mobiltelefons nach einiger Gesprächszeit ist sicher jedem schon aufgefallen. Für diese Wärmeabsorbtion müssen gewisse Werte, die spezifische Absorbtionsrate (SAR), eingehalten werden. Diese liegen bei den meisten Mobiltelefonen bei ca. 0,6 W/kg. Erlaubt sind aber bis zu 2 W/kg. Wer wissen möchte, welchen SAR Wert sein Handy aufweist, kann dies unter www.bfs.de/sar-werte-handy tun.

Wer trotzdem wegen der Strahlung beim Telefonieren verunsichert ist, sollte folgende Tipps beherzigen:

Man sollte möglichst viel mit dem Festnetz oder über ein Headset telefonieren. Im Auto sollte man auch als Beifahrer nur über die Freisprechanlage telefonieren, da man sich in einem Faraday’schen Käfig befindet und somit die Strahlendosis erhöht wird. Zudem sollte man auf einen guten Empfang achten und die Gespräche kurzhalten. Auch ein kleiner SAR-Wert vermindert die Strahlenexposition..

Als Ausblick gab Fr. Dr. Fink das Thema ihres nächsten Vortrages bekannt: „Ab in die Röhre: CT oder MRT?“

Der Vortragsabend des Lions-Club Villingen-Schwenningen-Mitte war ein äußerst interessanter Abend. Der Vortrag von Fr. Dr. Fink war für alle spannend, da sie sich mit dem Nutzen und den Gefahren der Strahlung, mit welcher jeder von uns in Berührung kommt und zu tun hat, auseinandergesetzt hat und uns einen Überblick über die tatsächlichen Risiken geben konnte.

Wir danken Fr. Dr. Fink für diesen interessanten Vortrag und dem Lion-Club Villingen-Schwenningen-Mitte für die Einladung und freuen uns auf weitere gemeinsame Unternehmungen.

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